MUSEUM IM ZEHENTSTADEL

Scherer-Galerie und Heimatmuseum Reischenau

Besenkapelle


Besenkapelle-Ansicht.jpg

Besenkapelle 2004   

Die Kapelle wird im Zuge einer Spende des Xaver Kast in Höhe von 220 Gulden 1797 erstmals erwähnt. Wahrscheinlich wurde diese Kapelle aber bereits in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts errichtet. Aufgrund des querrechteckigen Baus, den ein Tonnengewölbe überspannt, darf man davon ausgehen, dass diese Kapelle nie zum Messelesen vorgesehen war. 

Im Innern befinden sich vier rundbogige Nischen. Sie beherbergten Statuen der Diözesanpatrone St. Ulrich und St. Afra aus dem letzten Viertel des 16. Jh., der Hl. Maria und des Hl. Johannes aus der Mitte des 17. Jh. sowie ein Kruzifix aus der zweiten Hälfte des 18. Jh. Diese  Kunstwerke sind heute aus Sicherheitsgründen in der St. Simpertkirche untergebracht.

An der Nordseite verläuft eine Mauerbank mit niedrigen pilasterartigen Podesten, die zur Ablage der Besen dienten.

Besenkapelle um 1930

Solche Besenkapellen finden sich im süddeutschen Raum, in Vorarlberg, der Schweiz und im Elsass. Sie gehen auf einen Brauch zurück, der wohl in den Pestzeiten entstanden ist. Menschen, die von der Pest verschont blieben oder sie überlebten, opferten einen Reisigbesen.

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Dieser Brauch ist teilweise - vor allem im Allgäu - bis in die heutige Zeit beibehalten worden. Bei Ausschlägen, Furunkeln oder anderen Hautausschlägen erhoffte man sich durch das Besenopfer Heilung oder zumindest Besserung. Anton Frank erzählt in seiner heimatkundlichen Stoffsammlung über die Besenkapelle in Dinkelscherben: „Man findet dort gar oft kleine Reisigbesen, so wie sie der Nikolaus als Rute bösen Kindern bringt, die Frauen dort liegen lassen. Abends geht manche Frau ohne zu sprechen und ohne jemanden anzusehen zur Kapelle hin, kehrt die Spinnweben weg und den Schmutz von den Figuren, betet dabei zu den Heiligen, damit sie die Angehörigen der Familie von Furunkeln, Warzen und Ausschlägen befreien.“

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